Mit neuen Trainern geht es erst richtig los

Bei der Mitgliederversammlung am 30. Mai 2017 wurde der Grundstein für die neue Richtung der Nachwuchsarbeit in der Badmintonabteilung des VfB Grün-Weiß Mülheims gelegt. Durch kleine Veränderungen in Beitragshöhe und -struktur, die mit deutlicher Mehrheit beschlossen wurden, konnte der Vorstand sich auf die Suche nach einem hauptamtlichen Trainer machen, der zukünftig maßgeblich die Talententwicklung des Vereins prägen soll. Dies sollte kein leichtes Unterfangen darstellen. Ausschreibung, Facebook-Werbung und unzählige Gespräche mit potenziellen Kandidaten sollten lange Zeit nicht von Erfolg gekrönt sein…

…bis Lea-Lyn Stremlau nach ihrer Absage für unsere Trainerstelle von ihrem Freund erzählte:

„Wer ist denn dein Freund?“
„Na der Vasily.“

Wer ist Vasily?

Vasily Kuznetsov. Er ist 28 Jahre alt, lebt in Moskau und war 2015 Russischer Meister im Herrendoppel. In der letzten Saison spielte er in der 2. Bundesliga beim TV Emsdetten und verpasste mit seinem Team denkbar knapp den Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Badmintons. Aktuell schlägt er für den BV RW Wesel in der Regionalliga auf und darf sich dort erneut Hoffnung auf den Aufstieg mit seinem Team machen. Mit anderen Worten: Ein bisschen Ahnung von Badminton sollte er schon mal haben.

„Spricht er denn auch deutsch?“
„Nein, noch nicht.“
„Englisch?“
„Joahr, das funktioniert eigentlich ganz gut.“
„Aber wie soll das funktionieren? Kooperationen mit Schulen, Gespräche mit Eltern, Organisation und Koordination verschiedenster Maßnahmen… alles ohne Deutsch und „nur“ passablem Englisch? Nein, das kann nicht funktionieren!“

Aber Lea machte weiter Werbung für ihren Freund:
„Der ist total nett und ich finde ihn als Trainer einfach super.“

„Mmh… oder ich mache das mit ihm zusammen!?“

Das Probetraining

Eine Option, die das Unterfangen irgendwie möglich erscheinen ließ. Also wurde Vasily kurzer Hand für ein Probetraining und zum Kennenlernen eingeflogen. Und was soll man sagen? Funktionäre und Spieler waren begeistert. Gerade auf die Jugendlichen übertrug sich direkt seine Energie und sein Engagement im Training. Und auch bei den kleinen kam er trotz der fehlenden sprachlichen Verständigungsmöglichkeit super an, so dass beim nächsten Training direkt die Frage kam: „Wann kommt denn der „Visily“ wieder?“

Schnell konnte die Entscheidung getroffen werden, dass der Verein mit den beiden in Zukunft planen möchte und die nötigen Schritte in die Wege geleitet werden sollen. Aber was sind die nötigen Schritte? Russland ist ja nicht EU. Darf der Vasily so einfach nach Deutschland kommen und hier arbeiten? Nein, darf er nicht. Er benötigt ein Visum und dafür sind einige Auflagen zu erfüllen! Recherche im Internet, das Lesen von Gesetzestexten, Emails an die Deutsche Botschaft in Moskau, Telefonate mit der hiesigen Ausländerbehörde… Der bereits am 24. September unterzeichnete Vertrag wurde von der Deutschen Botschaft abgelehnt. Am Ende drohte alles an einem Mindestgehalt zu scheitern, das der Verein für eine geplante 20-Stunden-Stelle bei bestem Willen nicht hätte zahlen können!

Jugend profitierte bereits von Vasily

Seit Mitte Oktober war Vasily mit einem Schengen-Visum bereits in Deutschland, welches aber auf 90 Tage befristet und nicht verlängerbar war. In der Vorweihnachtszeit musste also eine Entscheidung her, ob Vasily zurück nach Moskau fliegt, um im 1. Quartal 2018 genug Tage übrig zu haben, die für die Teilnahme an den Pflichtspielen für den BV RW Wesel nötig gewesen wären. Der Ruck, der in den ca. 2 Monaten durch die Jugendabteilung gegangen ist und zum deutlichen 7:1-Sieg unserer J1 gegen den TSV Heimaterde J1 führte, machte den Funktionären klar, dass man auf Vasily nicht mehr verzichten wollte. Drei Wochen zuvor endete das Hinrundenspiel noch mit 4:4 unentschieden.

Visum gescheitert?

Ca. 20.000 Euro Budget fehlten, um das für das Visum geforderte Mindestgehalt zahlen zu können und wie sollte man Vasily Vollzeit beschäftigen, wenn man dafür nicht die Hallenzeiten hat. Eine unüberwindbare Hürde auf den ersten Blick. Mitglieder sollten hierfür definitiv nicht weiter belastet werden! Kreativität und Engagement waren gefragt, die zu weiteren Fördermitteln, Refinanzierungsmöglichkeiten und Kooperationen führten. Schlussendlich konnte der geschäftsführende Vorstand ruhigen Gewissens die Entscheidung treffen einen Vollzeit-Vertrag mit Vasily zu unterzeichnen. Als dieser vorlag, ging dann alles ganz schnell. Die Deutsche Botschaft in Moskau antwortete bereits am selben Tag, dass Vasily sein Visum bei der nächsten Gelegenheit abholen könne. Diese bot sich über Silvester und am 5. Januar konnte eine kleine grün-weiße Truppe Lea und Vasily in Köln am Flughafen empfangen.

Herzlich willkommen Lea und Vasily!!!